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RATCHET MAN

Stefan Spahr, 56, Head of Wheels, seit 1995 bei DT Swiss und der Mann hinter dem Nabenklassiker 240s. Ruhig, bedacht und mit einem siebten Sinn für solide Innovationen, ist er für alle Laufradprojekte bei DT Swiss verantwortlich. Im Interview erzählt Stefan, wie sein Leben rund um DT Swiss aussieht.

Wann und wie bist du zu DT Swiss gestossen?
Im März 1995. Ich war gerade so richtig vom Bike Virus infiziert, hatte mir ein Muddy Fox aus den USA gekauft und dachte aber, so etwas wie eine Bikebranche gibt es gar nicht. Ich bin dann auf das Inserat der neu gegründeten DT Swiss AG gestossen. Die drei Inhaber suchten nach dem Management Buyout einen ersten Ingenieur.

Woran arbeitest du gerade am intensivsten?
Wir arbeiten zur Zeit an neuen Laufrad und Naben Konzepten sowie Kundenprojekten. Wir werden die erfolgreichen Aero, MTB und Hybrid Laufrad Linien ausbauen und erweitern. Im Nabenbereich wird das Sortiment erneuert, erweitert und modernisiert.

Aus welcher Inspiration ist der Nabenklassiker 240s entstanden?
Wir wollten eine leichte, einfach zu montierende und zu wartende Nabe bauen. Dabei dachten wir auch an die Modularität des Produktes, damit man mit kleinsten Modifikationen unterschiedlichste Anwendungen abdecken kann. Hinzu kam, dass auch unsere Kunden immer leichtere und dabei kostengünstige Produkte anfragten. Also habe ich versucht, eine Nabe zu entwickeln, die mit wenigen Teilen auskam, einfach zu montieren und demontieren war. Die Nabe musste so präzise funktionieren wie ein Schweizer Uhrwerk.

Welches waren die wichtigsten Schritte dieser Entwicklungsgeschichte?
Angefangen hat alles mit kontinuierlichen Verbesserungen am bestehenden Konzept der Hügi Nabe. Mit der Einführung der Hügi 98 Nabe haben wir die Kugellager verbessert, das Dichtungssystem optimiert sowie die Präzision erhöht. Bei der folgenden Hügi 240 Generation reduzierten wir das Gewicht, entwickelten neue Zahnscheiben und ersetzten die Lager durch neue Produkte. Bei der Geburt der 240s, wie man sie heute kennt, kamen die berührungsfreien Dichtungen hinzu, rostfreie Lager und ein neues Material sowie eine neue Oberflächenbehandlung der Zahnscheiben.

Was macht die 240s deiner Meinung nach zu einem solchen Klassiker?
Die Einzigartigkeit des Freilaufsystems, welches es erlaubt Leichtbau-Naben zu konstruieren und dabei auf Kundenwünsche nach verschiedensten Nabenformen einzugehen. Natürlich auch die Zuverlässigkeit und die Präzision, gepaart mit der super einfachen Wartung.

Wie viele Projekte bearbeitest du mit deinem Team gleichzeitig?
215, kein Witz.

Kaffee oder Tee?
Kaffee schwarz

Käse oder Schokolade?
Schokolade muss sein

Schlauch oder Tubeless?
Schlauch

Erste Nabe, die du konstruiert hast?
Die 98er Hügi Nabe

Letzte Nabe, die du konstruiert hast?
Die Nabe für die 1200 SPLINE® Laufräder

Bestes Rennrad Produkt?
Scheibenbremse

Bestes MTB Produkt?
Boost Standard

Bestes DT Swiss Produkt?
Zwei: Die 240s Naben & die RWS Spanner

Der beste Laufradbauer?
Gerd Schraner, der leider am 11. Sept 2017 verstorben ist. Mein Fachwissen im Bereich Laufradbau habe ich durch ihn gelernt, er wird immer mein Vorbild sein.

Die wichtigste Person der Fahrradbranche?
Sorry, das müssen drei sein: Keith Bontrager, Gary Fisher & Tom Ritchey

Woher holst du dir die Inspiration für neue Entwicklungen?
Ich besuche viele Messen anderer Branchen wie dem Maschinenbau, der Uhrenindustrie oder der Motorradbranche. Da hole ich mir Ideen, die ich im Laufrad umsetzen kann. Ich suche gezielt nach einem Ausgleich beim Radfahren, auf dem Motorrad oder auf meinem kleinen Boot. Bei diesen Aktivitäten kommen dann auch die Ideen, meist überall – ausser im Büro, da hatte ich noch NIE eine einzige Idee!

Wohin geht die Entwicklung des Laufrades?
Ganz klar hin zu Systemlaufrädern. Naben, Speichen, Nippel und Felgen werden immer mehr zu einer Einheit aufeinander abgestimmt. Die einzelnen Komponenten werden in Zukunft nicht mehr austauschbar sein. Zusammen mit dem Einsatz neuer Materialien und neuer Verfahren werden so immer bessere Laufräder entstehen.

Wie sieht das Rennrad des Jahres 2035 aus?
Auch das Fahrrad wird nicht mehr aus austauschbaren Komponenten bestehen. Die Komponenten werden in den Rahmen integriert, Aerodynamik sowie die Fahrdynamik werden an Wichtigkeit gewinnen.

Und wie das Mountainbike?
Wie beim Rennrad. Speziell beim Mountainbike wird es Schaltgetriebe geben sowie zahlreiche Sensoren, welche permanent das Fahrverhalten des Bikes analysieren und korrigieren.

Was rätst du jemandem, der in die Arbeitswelt der Bike Industrie einsteigen möchte?
Man muss mit einem sich rasch ändernden Umfeld zurechtkommen. Visionen und Ideen reichen alleine nicht aus, es braucht Ausdauer, bis ein Produkt funktioniert und markttauglich ist. Man muss fähig sein, Markt- und Kundenwünsche ohne Kompromisse schnell umzusetzen. Unter diesen Voraussetzungen macht das Leben in der innovativen Fahrradbranche riesige Freude und Spass.

Anzahl konstruierter Naben?
2450 Modelle (ohne unterschiedliche Lochzahlen)

Kleinste Toleranz dabei?
± 0.002 mm

Grösste Toleranz dabei?
± 0.1 mm

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