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TECH TALK – SCHEIBENBREMSEN AM RENNRAD

DT Swiss wheels RC 38 SPLINE disc brake

Scheibenbremsen am Rennrad sind angekommen und es ist eine Frage der Zeit, bis sich die herkömmlichen Felgenbremsen von den Strassen verabschieden. Auch wenn die Diskussionen über Risiken im Rennsportbereich dieses Frühjahr einen vorläufigen Höhepunkt erreicht haben, ist die Präsenz im Markt unübersehbar. Bereits seit dem Modelljahr 2014 bietet DT Swiss Disc Brake Laufräder im Road Bereich an und ist damit Vorreiter eines Trends, der seit der letzten Saison in Fahrt gekommen ist. Felgenentwickler Andreas Tschanz und Produktmanager Stefan Riehle sprechen über die Hintergründe, Entwicklungen und Herausforderungen, welche Scheibenbremsen am Rennrad mit sich bringen.

Produktmanager Stefan Riehle

Productmanager Stefan Riehle

Noch vor drei Jahren war das Thema Road Disc Brake mehr oder weniger inexistent. Es gab erste Ansätze, aber die Ideen waren lediglich in den Köpfen der Produktmanager. Seit rund zwei Jahren beobachten wir eine stetig steigende Nachfrage, was mit Sicherheit auch an der Diversifizierung im Rennradbereich liegt. Durch die neuen Rennradkonzepte mit unterschiedlichen Einsatzzwecken hat der Kunde das Rennrad nicht nur als reine Wettkampfmaschine erkannt, sondern auch als vielseitig einsetzbares Fahrrad mit sportivem Charakter. So sieht man gerade in Bereichen wie Cyclocross, Endurance oder Gravel Scheibenbremslaufräder. Aber auch in Segmenten wie z.B. Aero kommen langsam die ersten Modelle für Scheibenbremsen auf den Markt.

Interessant ist auch, dass viele neue Rennradkunden heutzutage aus dem Bereich des MTB Sports dazukommen. Sie haben das Rennrad als Trainingsrad erkannt und setzen ein modernes und zuverlässiges Bremssystem voraus. Nicht zu vergessen, die rasant wachsende Zahl an Frauen, welche Rennrad fahren. Aufgrund der unterschiedlichen Anatomie ist für sie eine hydraulische Scheibenbremse eine spürbare Erleichterung in Bezug auf den Kraftaufwand und bietet daher mehr Sicherheit.

Der Anteil an Rennrädern mit Scheibenbremsen in den Modellpaletten unserer Kunden ist in den letzten beiden Jahren deutlich angestiegen. Erste Kunden entwickeln sogar ausschliesslich Rennräder mit Scheibenbremsen. So haben wir beispielsweise im Jahr 2014 noch rund doppelt so viele Laufräder für Felgenbremsen verkauft, als Scheibenbremsmodelle.
2015 waren es dann bereits rund 16% mehr Scheibenbremsmodelle.

Privat setze ich voll auf Disc … nur noch zu Testzwecken trifft man mich auf Felgenbremsen an.

Rim designer Andreas Tschanz

Aus Felgenentwicklersicht ist eine klare Trennung zwischen Bremsfläche und tragender Laufradkomponente sehr wünschenswert und bringt grosse Vorteile. Sowohl Aluminium- wie auch Composite-Bremsflanken sind nicht besonderes gut geeignet, um dauerhaft und kurzeitig grosse Reibenergien auszuhalten. Im Gegensatz dazu kann eine Bremsscheibe genau für diese Anforderungen entwickelt werden. Grundsätzlich stellen Scheibenbremsen für die Felgenentwicklung eine Vereinfachung dar, da durch die klare Trennung alle bremsrelevanten Themen von der Felge auf eine spezifisch dafür entwickelte Komponente (Bremsscheibe) übergeben werden. Ziel ist es, die neu gewonnenen Gestaltungsfreiheiten bestmöglich zu nutzen. Ein Hauptziel muss tieferes Gewicht bzw. ein besseres Verhältnis zwischen Innenbreite & Gewicht sein. Trotz allem gilt es, bei der Haltbarkeit keine Kompromisse einzugehen und die Qualität auf bekanntem DT Swiss Niveau zu halten.

Rim engineer Andreas Tschanz

Eine heutige Road Disc Felge bekommt bei uns viel Know-How implementiert, welches wir im MTB Bereich über Jahre hinweg aufgebaut haben. Stichworte sind ein guter Reifensitz für ein sicheres Tubeless Set-Up kombiniert mit einfacher Montage, optimierte Felgenhorn-Geometrien, welche helfen, ein optimales Innenbreite/Gewichtsverhältnis zu erreichen, Stabilität gegen Schläge und so weiter. Mit dem momentanen technischen Fortschritt bin ich überzeugt, dass es möglich sein wird, mindestens gleich leichte Laufräder, ausgestattet mit einem massiven Sicherheitsplus – Stichwort überhitzte Carbonfelgen – und deutlich besserer Brems-Performance, zu realisieren. Einerseits können wir durch die Gewichtseinsparung an der Felge die Rotationsträgheit senken, andererseits müssen wir durch die erhöhte Speichenzahl und für die Disc Aufnahme an der Nabe auch ein bisschen mehr Material aufwenden.

Aus meiner Sicht machen Scheibenbremsen absolut Sinn – für jeden Radfahrer. Es ist ein massiver Sicherheits- und Performancezuwachs, daher rate ich jedem Freund, auch auf Disc zu setzen. Zwar sehe ich auch die Herausforderungen im Rennbereich (neutrale Materialwagen, Austauschbarkeit ohne Schleifen, klar definierte Einbaubreiten und Achsstandards), jedoch bin ich überzeugt, dass diese lösbar sind und Scheibenbremsen sich früher oder später durchsetzen werden. Im Automobil- und Motorrad Bereich käme heute niemand mehr auf die Idee, eine Felgenbremse einzusetzen…

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There are 2 comments on this post
  1. Fredel
    April 03, 2017, 7:26 pm

    Ich besitze ein Rennvelo an welches keine Scheibenbremsen montiert werden können. Es ist ein Rennvelo der Marke Spezialiced, Typ SL 3 Expert C 2 / Rahmen FACT r 10 mit Zertzeinsätzen.
    In diesem Frühjahr habe ich die Roval Räder gegen die neuen PR 1400 DICUT® OXIC
    PERFORMANCE SYSTEMLAUFRAD DT SWISS
    DT SWISS Ratchet System 36 T ausgewechselt. Ich besass früher ein MTB welches mit Ceramic beschichteten Felgen ausgerüstet war. Ich machte damit sehr gute Erfahrungen. Daher glaube ich mit den neuen Rädern genug Bremsleistung zu erhalten. Ich bin gespannt auf die erste Passfahrt.
    Freundliche Grüsse aus Davos Fredel Beetschen

    • DT Swiss
      April 04, 2017, 8:18 am

      Hi Fredel, vielen Dank für deinen Kommentar. Wir wünschen dir viel Spass mit den neuen OXiC Laufrädern.

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