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SIE NENNEN IHN E-BERGER

Daniel Berger – 53 Jahre alt, Vice President Products und seit 1995 bei DT Swiss, denkt und lebt E-Bikes wie kein anderer. Im Interview erzählt er von seiner Begeisterung für den eMTB Sport.

Daniel, intern hat man dir den Spitznamen E-Berger verliehen. Eine Ehre oder eine Beleidigung?
Da ich immer gerne einer der Ersten bin, der einen Trend im Bereich MTB aufnehmen möchte, kann ich sehr gut mit der Bezeichnung leben.

Wie bist du zum E-Bike gekommen? Du bist ja seit 1980, den Urzeiten des Mountainbikes, ambitionierter Mountainbiker und daneben auch leidenschaftlicher Rennradfahrer.
Ich hatte den Markt für E-Fahrräder bereits seit einiger Zeit beobachtet, mich aber erst aus zwei Gründen nicht selbst mit dem Thema befasst. Einerseits waren die existierenden Modelle nicht sportlich genug, andererseits sah ich für DT Swiss kein Verkaufspotential für Laufräder oder Komponenten, da für uns aufgrund unserer Verkaufspreise eine Spezifikation auf den Rädern nicht möglich war. Im Oktober 2014 habe ich mich bei der Taichung Bike Week mit Thomas Pressl von KTM über das Thema E-MTB unterhalten und spontan ein Fully mit 125 mm Federweg bestellt. Im Februar 2015 wurde es geliefert und seitdem bin ich praktisch nur noch auf dem E-MTB unterwegs.

Was macht für dich die Faszination am E-Bike aus?
Meine Zeitfenster neben Job und Familie zum Ausüben des Radsports sind begrenzt. Diese Zeit kann ich jetzt viel intensiver nutzen, weil ich mit gesünderen Pulszahlen viel mehr Reichweite habe, inklusive Höhenmeter. Alle Anstiege, wenn möglich auch etwas technisch, werden vom Verdruss zum Genuss. Egal, wie ich mich vor der Fahrt fühle, ich kann losfahren und selber wählen, wie stark ich unterstützt werden will. Ebenfalls kann ich mit bis zu 700 Watt Leistung Runden drehen und mich endlich einmal wie Nino Schurter fühlen.

Wo rumort es in der E-Bike Entwicklung? Was für motorisierte Räder sehen wir in 5-10 Jahren?
Aufgrund meines fortgeschrittenen Alters habe ich die ganze Handy-Entwicklung mitgemacht. Beim E-Bike stehen wir zwar nicht mehr beim Modell mit ausziehbarer Antenne, aber zum Smartphone werden noch ein paar Jahre vergehen. Die Elektronik im Bikebereich wird so oder so kommen, und da wir beim E-Bike eine zentrale Batterie haben, wird die Integration weiter voran getrieben. Formschöne Bikes, die von diversen Anbietern für 2018 angeboten werden, zeigen den Weg. Ich denke an Themen wie Integration von Schaltung, Suspension, Licht, Getriebe und was da noch alles kommen mag. Obschon die Differenzierung an Rädern schon weit fortgeschritten ist, werden wahrscheinlich noch mehr Radfahrer- Zielgruppen mit spezifischen Modellen angesprochen.

Wie wird dann die Verteilung von unterstützten Bikes zu nicht Unterstützten sein? Sehen wir eine weitgehende Elektrifizierung unserer Sportgeräte?
Meiner Meinung nach ja. Bereits jetzt sehen wir im Bereich normale Pendler- / City- / Trekking-Bikes – also nicht E-Bikes – im Bereich VK Euro 1500,- plus eine komplette Verdrängung durch E-Bikes. Im sportiven Bereich wage ich die Prognose, dass Bikes mit VK über Euro 5000,- in drei Jahren 80% E-MTB’s sein werden.

Stichwort Sport: Wie denkst du wird sich der Radsport durch die Elektrifizierung verändern? Geht es bald nur noch um Elektrodoping und versteckte Motoren oder kommt ein E-World Cup, der die Massen begeistert?
Schwer zu beantworten. E-MTB Rennen sind teilweise schon da und werden kommen, nicht zuletzt durch die Industrie gepusht. Welche Formate sich durchsetzen, werden wir sehen. Aber spannend wird es auf jeden Fall werden. Es wird um eigene Kraft, Einteilung der Akkuleistung, höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten, Fahrtechnik und zurückgelegte Strecken gehen. Bezüglich versteckter Motoren ist ja bereits eine hitzige Diskussion im Gange, seit in Belgien eine Cross-Fahrerin erwischt worden ist.

Welche Entwicklung der Komponenten für E-Bikes strebt DT Swiss an?
Durch die deutlich höhere Belastung der Komponenten, insbesondere bei Ketten, Kassetten und Laufrädern durch mehr Gewicht, höhere Laufleistung und höhere Drehmomente, werden wir im Bereich Laufrad und Komponenten unsere bereits jetzt hochqualitativen Produkte in Richtung E-Bike gemäss den spezifischen Anforderungen weiterentwickeln. Der Trend zu E-Bikes kommt uns entgegen, stossen doch qualitativ minderwertige Komponenten rasch an ihre Grenzen.

Kommt das elektrische High-End Rennrad?
Ja, es ist bereits da, gerade eben hat Pinarello das erste Modell mit kompaktem, relativ leichtem Motor vorgestellt. Ich habe über meine Quellen gehört, dass die Italiener schon ganz euphorisch sind. Gerne werde ich diese Konzepte ausprobieren, schliesslich habe ich als E-Berger einen Ruf zu verlieren.

Dein bestes Erlebnis auf einem E-Bike?
Ein einzelnes ist schwer zu beschreiben. Aber bei mir waren es letztes Jahr definitiv alpine Touren, bei denen ich Gegenden befahren konnte, welche ich ohne Unterstützung in der Zeit und Häufigkeit nie erreicht hätte.

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