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MEIN PRAKTIKUM BEI DT SWISS

Paul Schuler war in der Zeit zwischen Bachelor- und Masterstudium Praktikant in der Entwicklungsabteilung. In diesem Blog-Beitrag berichtet der Maschinenbau-Student von seiner Zeit bei DT Swiss.

Ein typischer Morgen

Es ist kurz nach acht am Morgen. Ich bin nicht der Erste im Büro – aber auch nicht der Letzte. Der Rechner ist gerade hochgefahren und eine Besprechungsanfrage blinkt auf. Mein Praktikumsbetreuer Marek möchte den aktuellen Projektfortschritt besprechen. Heute Nachmittag passt gut. Bis dahin kann ich noch eine kleine Präsentation vorbereiten und offene Fragen zusammensuchen, die noch geklärt werden sollen.

„Mein Projekt“, das ist die Untersuchung des Rotationsluftwiderstandes. Marek und ich haben hierfür ein Messverfahren erarbeitet, das uns den Vergleich verschiedener Laufräder hinsichtlich dieser Widerstandsgröße erlaubt. So stand ich in den vergangenen Tagen immer wieder in der Testwerkstatt und habe Versuche durchgeführt. Auch diese ersten Ergebnisse sollen heute mit Marek besprochen werden …

Paul arbeitet an seinem Projekt "Rotational Drag"

Ein Blick zurück

Jetzt, wo mein sechsmonatiges Praktikum fast vorüber ist, kann ich auf einen spannenden Projektverlauf zurückblicken: Mit kaum Vorwissen sollte eine erste Recherche den Einstieg in das Thema ermöglichen. Der Rotationsluftwiderstand eines Laufrades, der in der Radbranche bisher kaum Beachtung gefunden hatte, war auch für DT Swiss ein neues Thema.

Es folgte eine abwechslungsreiche Mischung aus der Erarbeitung theoretischer Überlegungen und praktischen Versuchen in der Testwerkstatt. Erste einfache Tests führten bald zu der Programmierung eines Auswerteprotokolls für die Messungen. Mit VBA, der Programmiersprache der Office-Programme von Microsoft, kannte ich mich zu Beginn meines Praktikums so gut wie gar nicht aus. Nach und nach konnte ich mich hier tiefer einarbeiten – und das Auswerteprotokoll wurde immer umfangreicher.

Doch auch die beste Auswertungssoftware ist nur die Hälfte wert, wenn keine brauchbaren Messwerte existieren. Um die zu erhalten, habe ich mich mit der Programmierung eines einfachen Mikrocontrollers beschäftigt. Die benötigten Teile waren schnell bestellt und eine Lichtschranke mit entsprechender Programmierung ermittelt nun rund 15 Mal pro Sekunde die Geschwindigkeit des sich drehenden Laufrades im Prüfstand. Die Messwerte und das bereits erwähnte Auswerteprotokoll liefern – mit ein paar Formeln aus der Mechanik-Vorlesung – schließlich die aerodynamische Verlustleistung, die dem Laufrad aufgrund seiner Rotation entgegenwirkt. Macht es einen Unterschied, ob die Speichennippel innen in der Felge positioniert werden? Wie verhält sich der Rotationsluftwiderstand, wenn das Laufrad statt 24 Speichen nur über 16 Speichen verfügt? Und welche Rolle spielt überhaupt der Reifen? Für erste Abschätzungen konnte ich unser Messverfahren gleich mal auf Herz und Nieren testen.

Für aussagekräftige Testresultate spielt die realitätsnahe Anströmung des Laufrades eine wesentliche Rolle. Deshalb waren auch Tests im Windkanal Teil des Projekts. Die Vorbereitung und Durchführung der Tests, die in einem Windkanal am Bodensee stattfanden, waren nicht nur sehr spannend, sondern gaben mir als „Projektleiter“ wieder einmal die Möglichkeit, mit der übertragenen Verantwortung umzugehen. Schließlich ist das Mieten des Windkanals nicht gerade günstig. In der knappen Zeit müssen also alle notwendigen Tests sorgfältig durchgeführt werden.

Doch auch hier in Biel, wo kein Windkanal zur Verfügung steht, bot das Projekt genügend Anlässe, um den Platz im Büro zu verlassen und in der Testwerkstatt aktiv zu werden. Beispielsweise für die Messung der Reproduzierbarkeit. Dabei geht es um die Frage, wie weit die Ergebnisse variieren, wenn wir eine Messung unter gleichen Bedingungen mehrfach wiederholen. Eine Vielzahl von Messungen führte zur schrittweisen Optimierung der Hard- und Software – und wurde mit immer höherer Messgenauigkeit belohnt.

Eine Ausfahrt unter Kollegen - Jan links und Paul rechts

Ein gemeinsames Hobby…

Mittlerweile ist es kurz vor zehn. Die „Z’Nüni-Pause“ steht an. Bei einem Kaffee tauschen sich die Kollegen aus. Wer war gestern biken, was schreibt die Zeitung und was gibt es sonst noch Neues …? Alex aus der Marketing-Abteilung informiert: Für heute Abend haben sich ein paar Kollegen zum Rennradfahren verabredet. Wie so häufig soll es nach Feierabend auf den Chasseral, den 1.600 Meter hohen „Hausberg“ von DT Swiss, gehen. Mein Rennrad habe ich heute Morgen schon vorsichtshalber im „Velo-Rümli“ auf dem Firmenhof geparkt. Und Trikot, Helm & Co. warten in meinem Spind sowieso auf spontane Anlässe dieser Art …

Der Kilometerstand meines Rennrades hat sich in den letzten Wochen und Monaten jedenfalls stetig erhöht. Nur wenige Kilometer vom Firmensitz entfernt, bieten die Jura-Höhenzüge Höhenmeter satt und viele kleine Sträßchen lassen das Radler-Herz ein ums andere Mal höherschlagen. Nicht selten war auch am Wochenende der Firmenvorplatz Treffpunkt für gemeinsame Ausfahrten mit den Kollegen.

Das gemeinsame Hobby hatte für mich auch einen ganz anderen positiven Effekt: die gemeinschaftlichen Ausfahrten haben mich schnell Anschluss finden lassen und ich konnte viele Kollegen kennen lernen, die – weil sie in ganz anderen Geschäftsbereichen tätig sind – mir sonst wohl höchstens auf dem Flur begegnet wären …

Ausblick

Das Ende meines Praktikums steht jetzt kurz bevor. Leider, muss ich sagen – meine Zeit bei DT Swiss hätte ich mir nicht schöner vorstellen können. Ich bin morgens gerne in die Arbeit gekommen, durfte ein spannendes Projekt bearbeiten und habe mich in der Firma sehr wohl gefühlt. Dazu habe ich für ein halbes Jahr in einer Gegend gelebt, die wie gemacht für das Radfahren ist.

Wenn es für mich wieder zurück nach München und in den Vorlesungssaal geht, wird meine Zeit bei DT Swiss nicht ganz Vergangenheit sein: Wir haben vereinbart, dass ich neben meinem Studium als Werkstudent für DT Swiss arbeiten werde. Und wenn in meiner WG-Küche die „Z’Nüni-Pause“ ansteht, werde ich mich sicherlich gerne an die Zeit in Biel zurückerinnern …

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