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NATHALIE SCHNEITTER – SAISONVORBEREITUNG MAL ANDERS!

Biken in Israel? Geht das? Nathalie Schneitter vom ROSE Vaujany fueled by UltraSPORTS Team, seit vielen Jahren erfolgreich im Cross Country Zirkus unterwegs, liebt das Neue und Unbekannte und geht auch schon mal etwas unkonventionellere Wege in der Saisonvorbereitung. Nathalie erzählt uns, was sie zu dem Israel-Trip bewegt hat und welche Erfahrungen sie gesammelt hat.

Kennst du jemanden der schon mal in Israel Mountainbiken war? Eben! Ich auch nicht. Abenteuer jeglicher Art sind meine Spezialität. Neues erkunden mein Hobby und Unbekanntes mit dem Mountainbike entdecken meine grosse Leidenschaft. Wenn ich all dies mit Menschen teilen kann, die dieselben Interessen pflegen: Umso besser!

Mountainbiken in Israel
Meine Israel-Abenteuergruppe von links nach rechts: Jey Zeller (DT Swiss Race Support), Chrigu Reber (Mechaniker Biketeam Solothurn), Noga Korem (Enduro Rockstar), Ich, mein Bruder Michi.

Die meisten Israel Touris haben vor allem Kulturelles im Hinterkopf. Unsere Mission hingegen war anderer Art. Unser Ziel war es, die besten Singeltracks des Landes zu fahren und zum krönenden Abschluss das Samarathon Etappenrennen zu bestreiten.

DT Swiss Teamfahrerin Nathalie Schneitter
Die Trails rund um das Kibbuzim Mishmar HaeMek sind Spitzenklasse. Die Ausschilderung im Trail Center ist recht neu; geplant ist das ganze Land mit einem solchen Singletrail Netzwerk auszustatten.

Eine ganze Woche lang sind wir vor dem Rennen in Israel Trails gefahren. Angefangen im Norden beim Manara Cliff und im Misgav Forest. Dort wo die Wälder an die Toskana erinnerten, jetzt im Frühling viele Blumen blühen und man schon auch mal schlammig vom Training nach Hause kommt.

DT Swiss Teamfahrerin Nathalie Schneitter in der Wüste
Für uns Europäer ist das Mountainbiken in der Wüste schon etwas Besonderes. Da hüpften ich und mein Bike vor Freude!

Bis ganz in den Süden in die Negev Wüste, wo uns Steinvariationen jeglicher Art begeisterten und hohe Anforderungen an Fahrtechnik und Material stellten. Da das Unbekannte und Neue mich immerzu lockt, war ich Feuer und Flamme die Wüste zu erkunden. Da wo ich vorher dachte, dass es ausser viel Sand und Steine nichts anders zu sehen gibt, wurde ich überrascht mit einer landschaftlichen Vielfalt sondergleichen.

Israels Trailvielfalt
An den Wüstenlandschaften konnte ich mich kaum sattsehen. Majestätische Felsformationen soweit das Auge reicht.

Natürlich sind wir nicht nur Fahrrad gefahren. Auch wir erkundeten die Altstadt Jerusalems, gaben uns kulinarischen Höhenflügen hin und genossen die freundliche israelische Gastfreundschaft in vollen Zügen. Wir waren alle sehr überrascht, wie freundlich wir an jeder Strassenecke empfangen wurden. Aber wahrscheinlich ist es überall auf der Welt dasselbe: Wir Mountainbiker sind eine grosse Familie. Trifft man im eigenen Land auf einen Mountainbiker aus der Ferne, ist man sofort bereit die Heimat im besten Licht zu zeigen und mit Tipps und Tricks weiter zu helfen.

DT Swiss Teamfahrerin Nathalie Schneitter in Israel
In fremden Länder ist es mir immer wichtig, den Kontakt zu den Einheimischen zu suchen.

Beim 3-tägigen Samarathon Etappenrennen stand ich zum ersten Mal überhaupt mit meinem Bruder Michi als Zweierteam am Start eines Rennens. Lange schon war es unser Traum ein solches Projekt zusammen zu verwirklichen. Nach vier Monaten Vorbereitungszeit war das dann endlich soweit! Die Witterungsbedingungen am Start des Prologes waren aber alles andere als freundlich. Starker Wind und beissend kalte Temperaturen erwarteten uns. Ohne Bäume weit und breit waren wir den Bedingungen schonungslos ausgesetzt.

DT Swiss Teamfahrerin Nathalie Schneitter bereitet sich auf das Rennen vor.
Die Rennvorbereitungen waren eher schwierig: Starker Wind und beissend kalte Temperaturen überraschten uns in der Wüste.

Wir trotzten den Bedingungen und konzentrierten uns auf die zu erledigende Arbeit: Radfahren. Obwohl unsere Zusammenarbeit als Team eher harzig anlief und wir von einem platten Reifen aufgehalten wurden, gewannen wir den Prolog nach rund einer Stunde souverän mit 33 Sekunden Vorsprung. Am Abend bei der Siegerehrung ins Leadertrikot eingekleidet zu werden ist immer ein schönes Gefühl, das mich mit Stolz erfüllt. Dies mit meinem Bruder teilen zu können, war einfach Spitzenklasse!

DT Swiss Teamfahrerin beim Etappenrennen
Vollgas in der Wüste. Während den Rennen kenne ich kein Erbarmen, da musste Michi meistens fest auf die Zähne beissen.

Tag 2 war dann schon bedeutend harter. 80 Kilometer warteten auf uns mit einer erwarteten Rennzeit um die 4 Stunden. Permanent der Sonne ausgesetzt, zerrte jeder Kilometer mehr an unseren Kräften. Nach 60 Kilometer war bei Michi Schluss mit der Energie und die Krämpfe kamen. Verwundert hat mich das wenig, ist er doch zu Beginn des Tages rumgesprintet wie ein junges Reh. Aber wahrscheinlich muss man die Notwendigkeit des Energieeinteilen einmal am eigenen Leib erfahren, um die Lektion wirklich zu lernen. Im Ziel mussten wir das Leadertrikot abgeben, aber konnten den Schaden minimieren. Im Gesamtklassement lagen wir nun rund 4 Minuten zurück und wussten, dass es eine ambitionierte Aufgabe sein würde den Spiess am letzten Renntag nochmals zu drehen.

DT Swiss Teamfahrerin beim Etappenrennen
Die Stimmung in der Wüste in einem Wort: WOW!!

Bei der dritten und letzten Etappe war nun ein kühler Kopf und viel Cleverness gefragt. Ich übernahm das Zepter und liess das Bruderherz nicht mehr ins Messer laufen. Permanent gab ich Anweisungen und Gangwahl, Kadenz, Fahrtechnik und dem Kräfteeinteilen. Ich wollte ihn schonen so lange es geht, damit er am Ende des Rennens, wenn es hart auf hart geht, noch bei Kräften ist und den Turbo zünden kann. Mountainbike Rennen sind kein Kindergeburtstag. Weh tun sie immer, egal wie gut die Form ist und egal um welchen Rang man kämpft. Hat man den Gegner im Blickfeld entscheidet am Schluss der härtere Kopf und der grössere Wille. Wir gaben einfach alles, 60 Kilometer lang und bis zum letzten Zentimeter. Die Geschwisterliebe stand auf dem Prüfstand, aber wir schafften es und gewannen das Samarathon Etappenrennen mit winzigen 55 Sekunden Vorsprung! 

Sieg beim Samarathon Etappenrennen in Israel
Nach der emotionalen Achterbahn des Rennens: Super stolz auf dem Podium!

Israel hat uns herzlich empfangen und viele schöne Erinnerungen beschert. Das Samarathon Rennen war erstklassig organisiert und die gestrampelten Kilometer haben uns viel Freude bereitet. Ich freue mich schon auf den nächsten Besuch in der Wüste!

Über Nathalie:
Nathalie Schneitter startete ihre internationale Mountainbike-Karriere im Jahr 2004 mit dem Gewinn des Cross-Country-Weltmeistertitels bei den Juniorinnen. Seither ist sie Vollgas auf den Rennstrecken dieser Welt unterwegs. In Jahr 2008 qualifizierte sie sich für die Olympischen Spiele in Peking und 2010 sicherte sie sich den Heimsieg beim Cross-Country-Weltcup in Champéry. Seit 2015 ist sie für das Team «ROSE Vaujany fueled by UltraSPORTS» unterwegs. Auf DT SWISS Produkten fährt Nathalie seit 2008. Vollgas gibt Nathalie auch neben der Rennstrecke: Sie lacht viel, ist bisschen verrückt und tanzt in jeder möglichen Situation. Seit Herbst 2016 ist sie im Organisationsteam der Bike Days in Solothurn und des Urban Bike Festival in Zürich tätig.

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