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DIE ERFOLGREICHSTEN ZIMMERKOLLEGEN –
CYCLOCROSS WM

Der Geruch von Fritten, Bier und Zigaretten schwebt in der Luft. Tausende Menschen feuern ihre Idole an. Jedes Wochenende von November bis Februar. Ein riesiges Volksfest. Man muss da gewesen sein, um die einzigartige Atmosphäre des Cyclocross zu verstehen. Doch was geschieht hinter den Kulissen? Wie bereiten sich die Protagonisten des Spektakels auf das Rennen vor? Was passiert in den letzten Stunden und am Tag vor dem Rennen? Wir sind nach Valkenburg gefahren, um es herauszufinden und einen Einblick hinter die Kulissen der UCI Cyclocross Weltmeisterschaft 2018 zu geben.

Es ist Freitagnachmittag. Noch 24 Stunden bis zum Start des Frauenrennens. Annemarie Worst, letztjährige Weltmeisterin der Kategorie U23, startet dieses Jahr in der Frauen Elite Kategorie. Sie sieht zuversichtlich und bereit aus.

«Heute Morgen habe ich mir noch den Kurs angeschaut, hatte im Anschluss ein paar Interviews und jetzt ist nur noch Erholung angesagt. Manchmal schauen wir mit den anderen Fahrerinnen zusammen Filme oder spielen Playstation, aber für mich geht es jetzt nur noch darum, ruhig zu bleiben und mich zu konzentrieren.»  

Die Konkurrenz ist stark in diesem Jahr. Während es letztes Jahr maximal fünf Fahrerinnen waren, die den WM Titel unter sich aus gemacht haben, kommen in diesem Jahr rund 10 Athletinnen für die Goldmedaille in Frage.

«Ich weiss, dass das Niveau sehr hoch ist. Ein Platz in den Top-10 wäre für mich in diesem Feld schon ein Erfolg, da ich noch sehr jung bin und Zeit zum Lernen habe», sagt Annemarie, bevor sie auf ihrem Hotelzimmer verschwindet.

Während Annemarie bereits auf ihr Rennen am Folgetag fokussiert ist, hat Eli Iserbyt noch ein wenig Zeit bis zum Start des U23 Rennens am Sonntagmorgen. Eli ist einer der Titelfavoriten und war bereits U23 Weltmeister 2016. Sein Marlux-Bingoal Team- & Zimmerkollege Michael Vanthourenhout dreht noch ein paar Runden auf der Strecke. Eli bleibt lieber auf dem Hotelzimmer und fährt auf der Rolle in Watopia.

«Ich mache den finalen Kurscheck morgen. Heute will ich nur ein bisschen die Beine bewegen, mit Zwift fällt mir das auf der Rolle recht einfach», sagt Eli und pedaliert «locker» bei 240 Watt. Nach dem Training auf der Rolle hat er Zeit zum Entspannen und guckt sich ein paar Videos auf Youtube an.

«Ich bin ein echter Autofan. Momentan fahre ich einen Mercedes CLA shooting brake. Allerdings träume ich vom CL 63 AMG – ein Wahnsinnsauto!»

Eli zwinkert und zeigt uns prompt Bilder von seinem Traumwagen.

Am nächsten Morgen gehen einige Fahrer nochmals auf die Strecke zum finalen Training, so auch Laurens Sweeck vom ERA Circus Team. Sein Vater bereitet sorgfältig drei Fahrräder für das Training vor. Je nach Untergrund wählt Laurens sein Set-Up und fährt mit Reifendrücken zwischen 1.1 und 1.35 bar.

«Es ist sehr wichtig, ein gutes Gefühl für den Kurs zu kriegen. Deine Fahrlinie zu verinnerlichen und herauszufinden, wo man im Rennen Kraft sparen oder attackieren kann».

Schon schwingt sich Laurens auf sein Rad und verschwindet. Nach einer halben Runde muss er bereits sein Rad wechseln, da der Schlamm nur so am Rahmen klebt.

«Der Kurs ist definitiv hart, aber ich mag das. Es wird ein ehrliches Rennen, so viel steht fest.»

Eli sieht es ganz ähnlich und fährt mit einem Grinsen im Gesicht an uns vorbei. «Das kann ja lustig werden morgen», ruft er lachend, schultert sein Rad und klettert die steile Wiese hinauf.

Beim Frauenrennen am Nachmittag liefern sich die Belgierin Sanne Cant und die US Amerikanerin Katie Compton einen packenden Zweikampf. Kopf an Kopf duellieren sie sich bis zur Ziellinie mit dem besseren Ausgang und der Goldmedaille für Sanne Cant.

Annemarie hat schwer zu kämpfen, um sich in den Top-10 zu behaupten und muss in der letzten Runde einige Konkurrentinnen ziehen lassen. Sie überquert die Ziellinie auf Rang 14. Von Enttäuschung jedoch keine Spur.

«Ich wusste, dass es heute extrem hart wird. Auch wenn ich mein Ziel nicht erreicht habe, bin ich zuversichtlich, dass es mir in Zukunft noch gelingen, wird ganz vorne mitzufahren. Ich bin ja noch jung» lächelt Annemarie hinter der Ziellinie.

Am Sonntagmorgen ist der Cauberg noch überfüllter als bereits am Vortag. Mehr als 40000 Zuschauer sind vor Ort, um sich die Männerrennen in der U23 und der Elite Kategorie anzuschauen. Bereits kurz nach dem Start im U23 Rennen wird klar, dass heute kein Weg an Eli Iserbyt vorbeiführt. Er fährt ein souveränes Rennen von der Spitze weg und überquert die Ziellinie als neuer U23 Weltmeister.

«Dass ich meinen Sieg von 2016 wiederholen konnte und zum zweiten Mal in der U23 Kategorie Weltmeister geworden bin, ist einfach unglaublich und bedeutet mir so viel!»

Wie viel, kann jeder sehen, als bei Eli die Tränen kullern und seine Fans komplett aus dem Häuschen sind. Ein ziemlich erfolgreicher Tag also für Eli’s Team Marlux Bingoal.

Aber es kommt noch besser. Der mit Spannung erwartete Zweikampf zwischen den beiden Superstars Wout van Aert und Matthieu van der Poel ist schnell entschieden und wird zur One-Man-Show des Wout van Aert.

Stattdessen ist es der junge Michael Vanthourenhout, der ein fantastisches Rennen fährt und sogar van der Poel im Kampf um die Silbermedaille schlägt. Sein bisher grösster Erfolg der Karriere.

Eli Iserbyt & Michael Vanthourenhout. Die wohl erfolgreichsten Zimmerkollegen dieses Wochenende in Valkenburg.

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