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Countdown to FIXED 42: Was Tamika vom RHC Brooklyn mitnimmt

Tamika Hingst, Teil des Rad Packs, war beim Red Hook Crit in Brooklyn (New York) am Start. Sie gibt uns mit ihrem Bericht einen Einblick in das Renngeschehen, bei dem ihr Gänsehaut bekommen werdet. Ausserdem beschreibt sie, was sie stark macht für die Fixed 42 Weltmeisterschaft morgen in Berlin. Spass beim Lesen:

Als ich meine ersten Trainingsrunden auf dem neuen Red Hook Crit Kurs gefahren bin, bemerkte ich, dass der Kurs sehr schnell und kurz war. Genau ein Kilometer lang und nur leichte Kurven. Abhänging von der Position im Feld, könnten die Kurven kritisch werden. Fährt man im Feld vorne, kann man einfach durch die Kurven fahren und voll reinhalten, aber je weiter hinten man im Feld platziert bist, desto mehr muss an Geschwindigkeit rausgenommen werden.

Nachdem ich die Strecke getestet hatte, hatte ich noch ein wenig Zeit vor meinem Qualifikationsrennen. Dieses Jahr hatte Red Hook ein überarbeitetes Rennformat: Jeder Teilnehmer wird in einem Heat-Rennen antreten, um entweder direkt zum Finale oder zum „Another Chance Race“ zu gelangen. Athleten, die in den Top 30 in ihrem Heat enden, kommen direkt zum Finale. Athleten, die außerhalb der Top 30 platziert sind, gehen zum ACR. Zum ersten Mal werden die weiblichen Teilnehmerinnen aufgrund ihrer Platzierung im ACR ausgeschieden. Die besten Top 25 im ACR gelangen ins Finale und die mit den Positionen 26-35 scheiden aus. Wir waren also 65 Frauen und alle hofften, direkt ins Finale zu kommen. Ich auch!

Ich war an der Startlinie so nervös, weil es so seltsam war jetzt bei den Qualifikationen mit allen Frauen zu starten, statt wie üblich mit 25 oder 30 Frauen. Nach dem Start positionierte ich mich direkt in die Top 10-15 und versuchte dort zu bleiben. Das Rennen schloss viele Attacken ein, aber es hat nie geklappt, dass eine weg kam. Sobald man aus dem Sattel ging und antrat, musste man wieder die Geschwindigkeit verringern, weil die nächste Kurve kam. Ich wurde 13. und kam somit direkt ins Finale. Ich bin froh, dass ich nicht bei dem „Another Chance Race“ teilnehmen musste.
Jetzt hatte ich fünf Stunden bis zum Finale. Ich versuchte zu schlafen, jubelte bei den anderen Rennen mit, etwas zu essen und einfach in der Sonne in der Ruhe vor dem großen Sturm zu entspannen. Und ich meine wirklich Sturm. Vor unserem Finale versammelte sich eine gigantische dunkle Wolkenbank. Es sah aus wie der Weltuntergang und es wurde kalt und windig. Ich startete in der vierten Reihe und wir hatten 26 Runden zu fahren. Die Zuschauer wurden immer lauter und jubelten und all diese Fotografen fotografierten uns mit ihren Blitzlichtern. Es war so verrückt. Der Himmel wurde immer dunkler während des Rennens und der Wind stärker.

Die erste Runde von unserem Finale war so schnell, weil wir nach der ersten Runde eine Prämie erreichen konnten, aber auch danach wurde die Geschwindigkeit nicht langsamer. Viele Attacken wurden gestartet und die Geschwindigkeit blieb hoch. Ich habe noch nie so ein offensives und schnelles Red Hook Crit erlebt. Als man dachte, dass ein Attacke vorbei war, begann die Nächste. In den ersten 18 Runden immer und immer wieder. Einige Mädchen konnten sich vom Feld lösen und unsere Gruppe hat versucht sie zu wieder einzufangen. Ich spürte wie meine Beine müde und schwer wurden und ich wirklich kämpfen musste, um in dieser Gruppe zu bleiben. Ich fiel weiter nach hinten in der Gruppe und manchmal verlor ich sie sogar, aber ich kämpfte mich wieder zurück. Als ich einmal tief durchatmen wollte, wurde die nächste Attacke gesetzt. Wieder verlor ich langsam die Gruppe und ganz ohne Windschatten wurde es sehr schwer. Es begann in den letzten 6 Runden zu regnen und ich kämpfte mich zu einem Mädchen vor mir, das auch die Gruppe verlor und wir fuhren zusammen. Ich forderte die Tausende von Zuschauern auf etwas Lärm zu machen und uns lauter anzufeuern und es hat geklappt. Ich glaube das war das Coolste am Rennen. Nur einmal mit der Hand zu wedeln, um die Zuschauer aufzufordern etwas lauter zu werden. Die nächsten Runden, in denen wir vorbeifuhren, jubelten sie uns von alleine laut zu und schrien: „Teamwork! Teamwork! Teamwork!“. Ein unglaubliches Gefühl. Ich habe so Gänsehaut bekommen und bekomme sie jetzt noch. Leider wurden wir nur drei Runden vor Schluss aus dem Rennen genommen. Ich war so wütend und traurig darüber, weil ich das Rennen unbedingt zu Ende fahren wollte. Sie dachten, die Führungsgruppe würde uns überrunden, aber sie war noch zu weit weg.
Nach dem Rennen habe ich begriffen, dass die ganze 30 Frauen aus dem Rennen genommen haben, als ich in der Spitzengruppe war. Was aber viel wichtiger ist: Trotz eines so intensiven und schnellen Rennens, bin ich nicht gestürtzt und denke, dass ich mit einem 27. Platz doch sehr zufrieden sein kann. Es sind mittlerweile so viele starke Mädels im Rennen und das Niveau der Red Hook Crits wird sowohl im Women’s Race als auch im Men’s Race immer und immer höher.

Morgen findet die Fixed42 Weltmeisterschaft in Berlins statt. Auf den sonst so hektischen Strassen der Hauptstadt wird dann kein Auto zu sehen sein, weil das Battle des Jahre genau hier ausgetragen wird. Nach meinem letzten Rennen in Brooklyn, kann ich meine meine Konkurrentinnen nun besser einschätzen und kenne ihren Traningszustand. Aber mal abwarten: Vielleicht sind die Fixed42 ganz anders als letztes Jahr; mit viel mehr Attacken, höherer Geschwindigkeit und einigen guten taktischen Schritten von den Teams. Es wird spannend!

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